STUFF: August 2001  

















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PORTRAIT: KAISERIN ELISABETH VON ÖSTERREICH, EINE EMANZIPIERTE FRAU? nadja: 2001-07-31

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Elisabeth von Österreich, die meisten kennen sie nur als die verkitschte Legende der bildschönen Bayernprinzessin, die zufällig Kaiserin wurde und die Herzen des österreichischen und des ungarischen Volkes im Sturm eroberte. Dieser Mythos hat sie zwar bis heute lebendig gehalten, aber er spiegelt wenig von dem wirklichen Leben dieser Kaiserin wider.


Heute sieht man in Elisabeth eine Vorkämpferin, die in unermüdlicher Anstrengung versuchte sich selbst zu verwirklichen. Eine bizarre, intelligente Persönlichkeit, zugleich Dichterin und Philosphin, die zeitlebens von einem Schönheitsideal besessen war, das sie in Bulimie und später in die Magersucht trieb.

Am 24.12.1837 wurde Elisabeth in München, als drittes Kind des Herzogs Max und seiner Frau Ludovika, geboren.
Die junge Sisi wuchs als Naturkind, das gut reiten, schwimmen, bergsteigen und angeln konnte, mit ihren sieben temperamentvollen Geschwistern, frei von höfischem Zwang, in Possenhofen auf. Die ganze Familie hielt nicht viel von Zeremoniell, deshalb spielte Sisi mit Bauernkindern und verfügte nur über eine geringe Bildung und dürftige Umgangsformen. Das erschwerte ihr späteres Leben, denn am 18.8.1853 verlobte sie sich mit dem sieben Jahre älteren Kaiser Franz, an dessen Geburtstag in Ischl.
Die Hochzeit fand am 24.4.1854 in der Augustinerkirche in Wien statt.
Von diesem Moment an begann Sisis unglückliches Leben. Das gerade mal sechzehn Jahre alte Mädchen haßte das ständige Anprobieren immer neuer Kleider und begann sich vor dem Leben in der Wiener Hofburg zu fürchten, da sie es nicht gewohnt war, von morgens bis abends in einem streng ausgearbeiteten Programm zu stecken.
Sie war zwar von dem Erfolg und der großen Beachtung, die man ihr schenkte geschmeichelt, wurde dabei aber immer stiller und melancholischer. Obwohl sie Franz Joseph sehr liebte und auch er schrieb: "Alle Tage liebe ich Sisi mehr und immer überzeuge ich mich mehr, dass keine für mich besser passen kann als sie", zeigte sie immer mehr Furcht vor der Zukunft.( "Wenn er nur ein Schneider wäre.")
Mehr und mehr weinte sie ihrer Heimat und ihrer verlorenen Freiheit nach. Vierzehn Tage nach der Hochzeit schrieb sie:

Oh, daß ich nie den Pfad verlassen,
Der mich zur Freiheit hätt´geführt.
Oh, daß ich auf der bereiten Straßen
Der Eitelkeit mich nie verirrt!

Ich bin erwacht in einem Kerker,
Und Fesseln sind an meiner Hand.
Und meine Sehnsucht immer stärker -
Und Freiheit! Du, mir abgewandt!

Sisi fing an, sich an die Regeln des Hofes zu halten, erkannte aber nie die Berechtigung einer derart strengen Etikette an. Immer öfter kam es zu Konflikten mit der "heimlichen Kaiserin" Erzherzogin Sophie, wie Sisi meinte um Kleinigkeiten, was sie aber um so mehr verletzte. Die vielen Empfänge und Reisen mit Franz Joseph belasteten sie zusehends mehr, vorallem in Anbetracht der Beschwerden der ersten Schwangerschaft, die sich inzwischen eingestellt hatte, und Sisis immer labilerem Gesundheitszustand seit sie in Wien lebte.
Am 5.3.1855 wurde Erzherzogin Sophie geboren, die 1857 starb. Schon ein Jahr nach Sophies Geburt kam am 15.7.1856 Erzherzogin Gisela zur Welt. Am 21.8.1858, ein Jahr nach Sophies Tod, wurde Kronprinz Rudolf geboren.
Drei Schwangerschaften in vier Jahren und der Tod der nur zwei Jahre alten Sophie stürzten Sisi in Trauer und Verzweiflung. Sie schottete sich von allen ab, nahm keine Nahrung mehr zu sich und weinte tagelang. Das Verhältnis zur Schwiegermutter wurde eisig und niemand wagte es, ihr offene Vorwürfe zu machen.

Was letztlich zu der Wandlung der Kaiserin führte, war ständige Kritik. Stets war von ihren mangelnden Fertigkeiten die Rede, dass sie nicht genug tanze und nicht gut genug gekleidet war. Über ihr Land wußte sie kaum etwas und versagte auch auf Grund ihrer schlechten Erziehung beim Adel, der sie scharf kritisierte. Nie ging es bei diesen Rügen um intellektuelle oder soziale Fähigkeiten, denn Bücher und Bildung gehörten nicht zur höfischen Welt.

Obwohl ihre Stellung am Hof sehr unbedeutend war, stieg ihre Beliebtheit bei der Bevölkerung, denn durch die Hochzeit war der Kaiser großmütig gestimmt und es gab Liberalisierungen, Amnestierung politischer Gefangener, das Militärstrafgesetz wurde gelockert und all das wurde Sisis Einfluß auf den jungen Kaiser zugesprochen. So wurde die neue Kaiserin eine politische Hoffnung für diejenigen, die sich unter dem neoabsolutistischen Regime nicht wohlfühlten.
Auch Sisis Auftreten im Familienkreis änderte sich dahingehend, dass sie weniger demütig und still war. Sie wurde sich ihrer hohen Stellung endlich bewußt, und begann gegen ihre Schwiegermutter zu opponieren. Zwischen Sisi und Erzherzogin Sophie brach ein Streit um die Kinderkammer, die sich bei Sophies Gemächern befand, aus. Sisi beeinflusste Franz bis er nachgab und setzte sich damit zum ersten Mal durch: die Kinder kamen in ihre Nähe.

Inzwischen lehnte Sisi die höfische Denkweise derart scharf ab, dass sie die Hochzeit ihres Bruders Ludwig, mit der bürgerlichen Schausppielerin Henriette Mendel begrüßte, und mit der, in aristokaratischen Kreisen mißachteten, Schwägerin eine fast schwesterliches Verhältnis aufbaute.

Während Franz Joseph im Krieg gegen Italien und Frankreich war, verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Kaiserin erneut. Sie machte wieder Hungerkuren, ritt jeden Tag stundenlang, war in sich gekehrt und flüchtete vor Familientees und -diners, die Erzherzogin Sophie gab. Die Zahl derer, die sie kritisierten und tadelten wuchs zusehends. Der Tratsch verbreitete sich soweit, dass sogar Königin Viktoria von England von der schockierenden Tatsache hörte, dass die junge Kaiserin rauche. Franz Joseph bat sie immer wieder sich zu benehmen, stieß dabei aber auf wenig fruchtbaren Boden.
Der Krieg in Italien schien für Österreich immer mehr verloren und deshalb musste Sisi sich mit diesem Thema beschäftigen. Sie informierte sich ausführlich in Zeitungen und geriet immer stärker in eine oppositionelle Haltung gegen das aristokratische und militärische, rein absolutistische Regime. Deshalb stellte sie sich immer mehr auf die Seite des Volkes und der Zeitungen, was die politische Komponente im Kampf zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter bildete.
Sisi verlor, durch die schlechte politische Lage nach dem verlorenen Krieg, die Streitigkeiten mit Sophie und den Liebschaften von Franz Joseph, auf Grund der privaten Krise des Kaiserpaares, immer mehr die Selbstbeherrschung. Wegen ihrer konträren politischen Vorstellungen wurde sie nie gefragt und immer wie ein Kind beiseite gedrängt. Deshalb begann sie ihre Umwelt zu provozieren. Sie organisierte ständig Bälle und wurde geradezu vergnügungssüchtig. Doch auch für diese Trotzhaltung hatte niemand Verständnis.

Diese Eskapaden zogen wieder Krankheiten nach sich. Vom ersten Tag ihrer Ehe an, kränkelte sie ständig, litt durch die Nahrungsverweigerung an Erschöpfungen und Bleichsucht, auch an Husten, der sich im Winter 1860 so sehr verstärkte, dass die Diagnose Lungenkrankheit lautete. Niemand glaubte so recht an diese Krankheit und der Klatsch am Hof blühte, vorallem aber wegen der anhaltenden Ehekrise des Kaiserpaares, von der jeder wußte, und bei der Franz alle auf seiner Seite hatte.
Nun folgten sehr lange Aufenthalte der Kaiserin im Ausland, die ihre Gesundheit, aber auch ihren Gemütszustand durch die Entfernung zu Franz und der Wiener Hofburg verbessern sollten.
Zuerst hielt sie sich sechs Monate in Madeira auf, wo sie ziemlich einsam in einer gemieteten Villa am Meer lebte und in stiller Existenz ein ruhiges Leben führte. Sie sehnte sich zwar nach Franz und den Kindern, doch fürchtete sie sich gleichzeitig vor ihrer Rückkehr nach Wien. Bereits vier Tage nach ihrer Ankunft in Wien wurden ihre Anfälle wieder schlimmer und einen Monat später stellte der Hofarzt eine galoppierende Schwindsucht fest. Erneut mußte Sisi zur Heilung in das südliche Klima reisen und verbrachte ungefähr ein Jahr in Korfu und Venedig.
Dort erging es ihr ähnlich wie in Madeira, sie langweilte sich viel und sehnte sich nach den Kindern. Nach diesem Jahr reiste sie, ohne Halt in Wien zu machen, zur Kur nach Bad Kissingen weiter, da sie immer noch schwer krank war.

Durch die ständigen Aufregungen um Elisabeths Gesundheit und die vielen weiten Reisen, war die Bevölkerung verunsichert. Das schlug sich, trotz Zensur, sogar in der Zeitungen nieder, die sie fast verspotteten. Franz war besorgt, ob diese Artikel Sisis Wohlbefinden beeinflussen könnten, aber sie kümmerte sich kaum darum. Obwohl sie unter den Behandlungen schnell gesundete, traute sie sich auch nach dem Aufenthalt in Bad Kissingen nicht nach Wien zurück, sondern flüchtete nach Possenhofen.

In dieser fast zweijährigen Trennung von ihrem Mann und dem Wiener Hof veränderte sich Sisi sehr. Sie war sehr selbstbewußt und energisch geworden und setzte ihre Interessen nun tatkräftig durch. Franz Joseph war sehr geduldig und in ständiger Angst, dass irgendwelche Mißstimmungen Sisi erneut weg von Wien brächten und somit dem Ansehen seines Hauses weiter geschadet werden würde.
Obwohl Sisi nicht soviel Einfluß auf Franz hatte, setzte sie sich für eine andere Erziehung ihres Sohnes ein. Rudolf war ein geistig frühreifer, übersensibler, kränklicher Junge, der dem militärischen Drill auf Anordnung des Kaisers, der einen guten Soldaten aus ihm machen sollte, nicht gewachsen war. Ständig war er krank (man befürchtete sogar seinen Tod) und litt unter den fast sadistischen Erziehungsmethoden des Grafen Leopold Gondrecourt. Elisabeth setzte sich nun sehr aktiv, gegen Erzherzogin Sophie und Franz, für die Erlösung ihres Sohnes aus diesem Martyrium, ein. Es liegt ein schriftliches Dokument vor, in dem sie die uneingeschränkte Vollmacht in allem, was die Kinder betrifft, von Umgebungsort bis Erziehung, fordert.
Dieses Dokument wir heute als Elisabeths Unabhängigkeitserklärung gesehen, da so eine Forderung für die damalige Zeit absolut anormal war. Nun, nach elf Jahren, ging Elisabeth endlich in die Opposition und floh nicht mehr in Reisen und Krankheiten; statt dessen wurde sie energisch und das mit Erfolg.
Elisabeth, deren Schönheit nun auf dem Höhepunkt angelangt war, war nun die Stärkere, denn ohne Rücksicht auf das Ansehen der Dynastie oder des Staates, stellte sie das Private in den Vordergrund und erpresste Franz Joseph mit einer erneuten Flucht aus Wien, weil sie wußte, er würde nachgeben. Franz Josephs Schwäche war allgemein bekannt, was erneut zu Tratschereien führte.
Die Tatsache, daß Elisabeth eine immer frappanter und ungewöhnlicher werdende Schönheit besaß, die sie zu einer Weltberühmtheit machte, war der Grund ihres plötzlich so starken Selbstbewußtseins.
Doch diese Schönheit forderte auch einen hohen Preis. Sie betrieb einen Schönheitskult, der nicht als normal bezeichnet werden kann. Sie trug Haare bis zur Hüfte, die ihr ganzer Stolz waren und im Laufe der Jahre sogar bis zu den Fersen reichten. Ihre Figur erhielt sie durch Nulldiäten, stundenlanges Reiten und Gymnastik.
In jedem ihrer Schlößer ließ sie Turnräume einrichten, was sehr viel Aufsehen erregte. Doch sie setzte sich über das Gerede hinweg, behielt ihre Turnstunden bei, was geradezu skandalös war.
Auch im modischen Bereich ging sie eigene Wege: oft trug sie Kleider, die nicht der Mode entsprachen, die ovale, schulterfreie Dekoltées hatten, was zu der Zeit verpönt war. Sie färbte ihre eigentlich dunkelblonden Haare kastanienbraun und hatte sogar einen Anker auf die Schulter tätowiert, der als Symbol für ihre Liebe zur Freiheit stand. Dieser Schönheitskult erntete bei der Hofgesellschaft wie immer nichts als Spott. Doch Elisabeth wurde immer selbstbewußter. Sie nahm regelmäßige Aufenthalte in Possenhofen in Anspruch, kümerte sich nicht um die Tratschereien deswegen und gab offen zu, daß ihr das turbulente Familienleben besser gefiel, als das kalte und langweilige Hofleben in Wien.
Zehn Monate nach der Krönung in Ungarn kam am 22.04.1868 Elisabeth viertes Kind Marie Valerie zur Welt. Der Wiener Tratsch wollte niemand anderen als Gyula Andrássy, der ein Verehrer und enger Vertrauter der ungarischen Königin war, als Vater anerkennen. Diese Gerüchte kamen auch Sisi zu Ohren und verstärkten ihren Hass auf den Wiener Hof.
Elisabeth entwickelt eine immer bizarrer werdende Persönlichkeit. Sie bekam eine Vorliebe für Absonderlichkeiten aller Art. Sie hatte z.B. ein auffallendes Interesse für Geisteskrankheiten und deren Heilung. Zum Namenstag wünschte sie sich ein "vollständig eingerichtetes Narrenhaus". Franz Joseph kam diesem Wunsch natürlich nicht nach, aber Elisabeths Interesse für "Narrenhäuser" wurde als eine weitere ihrer Skurrilitäten aufgefasst und reichlich bespöttelt.
In Gögöllö hatte sie eine andere "verrückte" Laune - Sie ritt in Hosen. Sie sorgte für Gerächte, in dem sie Zirkusleute und Zigeuner auf ihr Schloss einlud und sich zunehmend für Kuriositäten und Abnormitäten aller Art interessierte. Eine neue Exzentrität: Rustimo, ein verkrüppelter Mohr wurde Mode. Er wurde der Spielgefährte ihrer Lieblingstochter Marie Valerie, der sie auch auf Spaziergängen und Ausfahrten begleiten durfte.
Elisabeth amüsierte sich über die prompte Wirkung ihrer Provokation.

1880, ein Jahr nach der Silberhochzeit, reiste sie zum 2. Mal nach Irland, um an der Reitsaison teilzunehmen. Die Triumphe auf den Parforcejagden waren Selbstbestätigung für die 42jährige, die hier als Sportlerin brillierte und zugleich Freiheit von den höfischen Zwängen erlebte.
Trotz ihres Auserwähltheitsgefühl und der kaiserlichen Stellung verlor Elisabeth nie ihre Sensucht, das Leben "gewöhnlicher" Menschen kennenzulernen. Sie wollte erleben, was der Rest des kaiserlichen Hofes nicht erlebte und ging deshalb zu einem Maskenball. Sie flirtete den ganzen Abend mit Friedrich Pacher, der, durch seltsame Fragen ihrerseits, sie zwar hinter der Maske vermutete, aber nichts sagte. Als Gabriele schrieb sie ihm nach diesem Abend noch drei Briefe aus London, in denen sie das Spiel weiterspielte. Sie fantasierte noch lange über diese Begegnung. Durch die viele Langeweile bei Hof artete alles, was sie erlebte, in beschönte Fantasien und Träume aus, die die rauhe Wirklichkeit verdeckten und für die die Hofgesellschaft kein Verständnis hatte.
Im Laufe der Jahre wurden ihr auch Affären mit Gyula Andrássy, Niky Esterházy und Bay Middleton unterstellt, die aber wahrscheinlich nie wirklich stattfanden.

Je älter und menschenscheuer sie wurde, desto mehr spann sie sich in Phantasien und ihre Märchenwelt ein. Sie dichtete über all ihre Verehrer, sah sich selbst als Feenkönigin Titania, die Einsame, die nie Erfüllung in der Liebe fand. In all ihren Gedichten ist Heinrich Heines Einfluß auf sie deutlich spürbar.
Sie lebte, nachdem sie abrupt aufgehört hatte zu reiten, völlig zurückgezogen, fern von Wien und suchte die Einsamkeit und die Natur. Männern trauerte sie nicht nach.

Je mehr sich Elisabeths Hang zur Weltflucht und ihrer Menschenscheu verstärkten, desto mehr schloss sie sich ihrem Vetter Ludwig II von Bayern an. Beide gaben sich eher unkonventionell und reizten ihre ängstlich-zeremoniösen Umgebung mit derart ungewöhnlichen Aussprüchen, dass sie als absonderlich galten. Außerdem waren beide sehr bildungseifrig und belesen, vor allem was die klassische Literatur anging, waren Anhänger der Philosophie Shopenhauers und Antimilitaristen. Auf Ludwigs Tot reagierte sie mit so viel Verzweiflung, dass jeder sich um ihren Seelenzustand sorgte, sie sogar fast für wahnsinnig gehalten wurde. Sie entwickelte immer mehr eine spiritistische Neigung, nahm sogar Kontakt mit Ludwig auf und war davon überzeugt, das der Tote ihr erschien und zu ihr sprach.

Drei Jahre nach dem Tod Ludwigs II beging am 31.01.1889 Kronprinz Rudolf Selbstmord. Bereits drei Monate nach seinem Tod ging durch alle europäischen Zeitungen die Nachricht, dass bei der österreichischen Kaiserin der Wahnsinn ausgebrochen sei. Die unglückliche, menschenscheue Kaiserin, die öffentliches Auftreten immer mehr scheute und ihren Extravaganzen immer wieder freien Lauf ließ ähnelte dem jungen Bayernkönig so sehr, dass die Katastrophe bereits absehbar war. Irrsinn, oder nicht, jedenfalls litt sie an Hoffnungslosigkeit, Halluzinationen und Depressionen und wurde von Selbsmordgedanken getrieben, eindeutig also an einem starken Nervenleiden.

Am 10.09.1889 wurde die Kaiserin Opfer eines 25 jährigen Arnachisten, der sie auf offener Straße erstach.

Abschließend kann man sagen, daß Elisabeth von Österreich wirklich eine emanzipierte Frau war. Heute hat sie den Status einer selbstbewussten jungen Frau, die trotz der Vorherrschaft ihrer Schwiegermutter, dem strengen, unerbittlichen Hofzeremoniell und ihren psychischen Problemen bestand. Sie wurde kritisiert und verspottet und wollte gerade deswegen mit ihrem unkonventionellen Stil provozieren. Sie war sehr bizarr, trotzdem sehr intelligent, liberal und demokratisch gesinnt, was fast revolutionär war, immerhin lebte sie in einer Monarchie. Sie war eine Mischung aus vornehm und derb, aber insgesamt durchaus modern. Sie setzte ihre Ziele mit ihren Mitteln durch, suchte stets die Volksnähe und wurde zum Idol für Ungarn, weil sie ihm zu seinem Weg zur Selbstbestimmung half. Auf Gemälden wirkt Sie arrogant, doch sind durchaus auch Schmerz und Verachtung in ihrem Gesicht zu erkennen. Zu Franz Josef baute sie nie wirklich eine Beziehung auf, trotzdem haben sich die beiden am Anfang sehr geliebt.
Sie war eine interessante Persönlichkeit, die leider vielen nur als "schönste Frau ihrer Zeit" bekannt ist. Elisabeth gilt als "Vorkämpferin, die ihre Weiblichkeit behalten hat", die stets versucht hat, sich zu emanzipieren und sich selbst zu verwirklichen.

Die Informationen stammen aus folgenden Biografien:
Elisabeth von Österreich, Tragik einer Unpolitischen von E.C.Conte Corti
Elisabeth, Kaiserin wider Willen von Brigitte Hamann
"...von dem müden Haupte nehm´die Krone ich herab" von J. Cachée und G. Praschl-Bichler



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