JAM: August 2001  
















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REPORTAGE: IN MY EYES (WDH) nadja: 2000-06-14

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Kosovo nach dem Krieg - Frieden? Eigentlich wollte ich eine Reportage über den Kosovo Krieg schreiben, zum Thema: Herrscht jetzt, nach dem offiziellen Ende des Krieges, Frieden? Wer kümmert sich um die Vertriebenen, die Rückkehrer, die Zerstörung und all die schlimmen psychischen, physischen und materiellen Schäden, die dieser Krieg angerichtet hat?


Kosovo nach dem Krieg - Frieden?

Eigentlich wollte ich eine Reportage über den Kosovo Krieg schreiben, zum Thema: Herrscht jetzt, nach dem offiziellen Ende des Krieges, Frieden? Wer kümmert sich um die Vertriebenen, die Rückkehrer, die Zerstörung und all die schlimmen psychischen, physischen und materiellen Schäden, die dieser Krieg angerichtet hat?
Ich hielt dieses Thema für nicht weiter schwer und dachte, dass ich genug Material darüber finden würde. Außerdem habe ich so viele Berichte gelesen und gesehen, dass ich sicher war, mit der Thematik vertraut zu sein.
Doch bereits meine ersten Versuche einen passablen Artikel zu schreiben scheiterten. Ich hing an Fragen fest, über die ich mir bis dahin noch keine Gedanken gemacht hatte und je mehr ich recherchierte, desto klarer wurde mir: " Du hast absolut keine Ahnung! Weder von den Ursachen, noch der eigentliche Situation vor, während und nach dem Krieg."
Was also tun? Über ein anderes Thema schreiben?
Das wäre das Einfachste gewesen, entspricht aber nicht meiner Art.
So tun, als hätte ich den totalen Durchblick und einfach irgendetwas schreiben?
Inhaltlich falsch wäre das unangenehm für mich geworden, aber die Zeit, mich in die Politik der NATO und der Regierung Milosevic einzuarbeiten hatte ich auch nicht.
Also habe ich mich entschlossen ehrlich zu sein und über meinen Versuch einen Artikel mit dem Thema Krieg und Frieden im Kosovo zu schreiben.

Um einen Anfang zu finden, habe ich einen Bericht von Elmar Altvater, Politikwissenschaftler der Freien Universität Berlin, mit dem Titel: "Nach dem Balkan- Krieg: Eine neue Weltordnung, so anders als 1989 erdacht und so weit weg vom Weltbürgertum" als Grundlage für meine Reportage genommen. Ich möchte daraus einige Stellen zitieren und kommentieren:
"(...)vom 24. März bis zum 10. Juni 1999 bombardierte die NATO, deren existenzieller Sinn noch zehn Jahre zuvor in Frage gestellt worden ist, erstmalig in ihrer 50järigen Geschichte ein souveränes Land. Daß die insgesamt 32 000 Einsätze von Bomben völkerrechtswidrig sind, die Charta der UN verletzen und die Verfassung einzelner NATO- Staaten brechen, wird auch von den Befürwortern der Aggression kaum bestritten.(...)"
"(...) Erstens wird die Aufhebung des im Völkerrecht und in der deutschen Verfassung niedergelegten Verbots, einen Angriffskrieg zu führen, in dem Fall in Kauf genommen, dass die Gründe für einen "gerechten"" Krieg gut genug sind. Seit der Charta der UN ist der Krieg nur legitim, wenn es sich um einen Verteidigungskrieg handelt, oder wenn er durch die Organe der UN - in erster Linie den Sicherheitsrat - zur Erzwingung bzw. Sicherung des Friedens beschlossen worden ist.(...)"

Vielleicht verstehen wir Außenstehenden nicht wirklich, welche Gründe die NATO zu diesem Krieg bewegt haben, aber als Hauptargument habe ich immer nur den Begriff "Ethnische Säuberungen der Serben" gehört und mich damit als Grund (leider) zufrieden gegeben. Wenn die Regierungen das sagen, wird es schon irgendwie stimmen. Wahrscheinlich waren auch die meisten Europäer und Amerikaner mit dieser flachen Antwort zufrieden. (Besonders interessant fand ich, dass immer wenn US- Präsident Clinton sich bezüglich dieses Krieges an sein Volk wandte, Karten eingeblendet wurden, die erklären, wo sich Kosovo befindet. Falls sich jetzt bestimmte Leute auf die Füße getreten fühlen: Wer nicht einmal weiß, wo ein Krieg stattfindet, der kann mir nicht erklären, das er die politischen Hintergründe verstanden hat. Damit meine ich übrigens keinesfalls nur die Amerikaner, sondern jedes Land, das mit bunten Kärtchen seine Bürger bildet. Mein Tip: Mehr Geld in Bildung, als in Kriege investieren). Aber auch ohne die wirklichen Gründe zu kennen, sind wir intelligent genug zu verstehen, dass die NATO - Staaten damit gegen ihre eigenen Gesetzeverstossen haben. Da ich keine Politikerin bin, möchte ich mir nicht anmaßen zu behaupten, ich würde die politische Motivation, die diesen Krieg rechtfertigt, kennen und verstehen, aber als Mensch, der in einer Demokratie aufgewachsen ist, darf ich mir ein Urteil über das, was ich gesehen habe erlauben. Und das ist die Tatsache, dass hier weder eine Verteidigung, noch ein wirklich gerechtfertigter Angriff vorlag. Mir ist klar, dass es eine Menge Leute gibt, die jetzt sagen würden: " Natürlich gab es Gründe und die kann ich auch erklären", aber ich bin mir sicher, dass man den nichtigsten Grund zum eigentlichen Argument verdrehen kann, wenn man es sich nur lange genug einredet.

Auch sehr interessant fand ich den folgenden Denkanstoß:
"(...) Viele Menschen, die angeblich von den Serben vertrieben worden sind, dürften auch vor den Bomben der NATO geflohen sein." (...)

Zu diesem Punkt habe ich aus der hohen Politik nicht viel gehört, aber mal ganz ehrlich, es ist doch wahrscheinlich. Wer bleibt denn freiwillig in einem Gebiet, das Tag für Tag von NATO- Bombern überflogen und angegriffen wird? Meiner Meinung nach ist eine solche Flucht menschlich und weder von Politik, noch Kultur, noch Religion abhängig.

Der Bericht geht folgendermaßen weiter:
"(...)Inzwischen sind (skandalöserweise unter NATO- Aufsicht) nach Angaben des UNHCR mindestens 70 000 Serben aus Kosovo vertrieben worden, nur läuft diese Aktion nicht unter dem Etikett der "ethnischen Säuberung", sondern unter dem der Flucht vor der Rache der UCK mit dem augenzwinkernden Zusatz:"die wissen schon, warum sie abhauen müssen(...)".

Ich denke diese Aussage muss nicht weiter kommentiert werden.

Jetzt folgt meines Erachtens einer der interessantesten Abschnitte, der auch am besten charakterisiert, was ich ständig im Fernsehen gesehen habe:
"(...) Die Entscheidung der NATO für den Luftkrieg aus großer, für die serbische Flugabwehr unerreichbarer Höhe bedeutet auch, dass erstens "Kollateralschäden" systematisch und nicht zufällig angerichtet werden, und dass zweitens dem im Luftraum hoffnungslos unterlegenen Gegner nur der konkrete Ort am Boden zur Reaktion bleibt. Opfer sind die dort lebenden Menschen, insbesondere jene, von denen vermutet wird, dass sie, wie die UCK, mit der NATO verbündet sind.(...) Dies ist der Grund, warum die albanische Bevökerung nach Beginn der Bombardements systematisch drangsaliert und vertrieben wurde, zu deren Schutz die Bombardemants der NATO erfolgen sollten.(...)"

An dieser Stelle möchte ich bereits mit dem Ende beginnen, obwohl noch unzählige Fragen offen sind und zwar aus folgenden Gründen: Dieses Thema ist viel zu komplex und zu kompliziert, um hier alle Fakten anzuführen und zu diskutieren. Mir ist wichtig, mit dieser Reportage die Leser darauf aufmerksam zu machen, dass es nicht nur schwarz und weiss gibt. Das Herr Altvater ein Kriegsgegner ist wird deutlich, doch ich stimme nicht mit allen Standpunkten in seinem Artikel überein. Aber ebensowenig stimme ich mit der Politik der NATO überein. Ich bin mir sicher, dass dieser Krieg mit größeren diplomatischen Bemühungen verhindert werden hätte können. Ein Krieg sollte immer die letzte Möglichkeit sein und das war er in diesem Fall nicht. Hinzukommt die erschütternde Bilanz der NATO-Angriffe, die meines Erachtens nicht besonders effektiv waren und oft Zivilisten getroffen haben. Alles in allem hätten uns die Bilder der überfüllten Flüchtlingslager erspart werden können, hätte es ein größeres Durchhaltevermögen und mehr Engagement in den Verhandlungen gegeben.
Ich will auf keinen Fall behaupten, dass es in Ordnung war, was vorher dort abgelaufen ist, aber so einen sinnlosen Krieg hat es sicher nicht gerechtfertigt.

Und wie sieht es jetzt aus, im Kosovo, oder besser im ganzen ehemaligen Jugoslawien? Die meisten Flüchtlinge sind wieder zurück, stehen vor den Trümmern eines tragischen Krieges, betrauern die Toten, die sinnlos gestorben sind und machen sich auf, ihre Häuser und Wohnungen wieder neu aufzubauen. Viele werden noch Jahre damit beschäftigt sein, vorallem die Kinder, die grausamen Erlebnisse zu verarbeiten. Obwohl die KFOR den Frieden sichern soll, gab es seit die KFOR Truppen im Kosovo sind 286 Ermordungen.
Um das noch einmal klarzustellen: Nicht nur die Albaner haben gelitten, auch die Serben.
Die NATO ist stolz auf einen gewonnen Krieg und die Bevölkerungen der NATO-Staaten hatten davor nicht sehr viel damit zu tun und inzwischen ist der Alltag wieder eingekehrt.
Vielleicht denken jetzt einige, "Dass das so war, hab ich nicht gewusst." Immerhin ein Anfang, um sich in Zukunft mehr Gedanken über einen Krieg zu machen.

Auf der Seite www.refugees.net/kosovo kann sich jeder sein eigenes Bild über die Lage im Kosovo verschaffen und auch der Bericht von Elmar Altvater ist vollständig nach zu lesen.

Nadja



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