STUFF: Juni 2005  
















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GEDANKEN: FAMILIE kraski: 2005-05-30

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Ich bin eine Ausländerin und lebe hier in Deutschland.


Man fragt mich oft ob mir meine Heimat fehlt. Ich will es mal so sagen: Mir fehlen nicht meine Straße, mein Haus, meine Freunde oder meine Muttersprache, mir fehlen meine zwei ältere Schwestern. Als meine Mutter, mein Stiefvater und ich nach Deutschland zu gehen beschlossen, war die älteste Schwester von uns schon verheiratet und konnte nicht mehr mitkommen. Die mittlere allerdings wollte nicht mitkommen, weil sie in Usbekistan ihre große Liebe gefunden hat. Die ganzen Gespräche halfen nicht. Der Entschluss meiner Schwester stand fest: Sie bleibt bei ihrem Freund. Natürlich war das total dämlich von ihr, aber was tut man nicht alles für die Liebe?

Also sind meine Mutter, mein Stiefvater und ich alleine gegangen. In den ersten paar Jahren habe ich meine Familie kaum vermisst. Ich war damit beschäftigt die Sprache zu lernen und alles war neu und so aufregend für mich. Dann, als ich mich an alles hier gewöhnt habe, fing ich an öfters an meine beiden Schwestern zu denken. Plötzlich merkte ich wie sehr sie mir fehlen. Sie sind viel älter als ich, die eine ist 30 und die andere 26, ich bin übrigens 17. Doch ich bin mit ihnen zusammen aufgewachsen und jetzt ist auf einmal niemand mehr da, der mich so versteht wie sie. Jetzt ist keiner mehr da, den ich besuchen kann wenn es mir passt, bei dem ich einfach so reinschneien kann. Jetzt ist keiner mehr da mit dem ich eine Kissenschlacht machen kann. Jetzt ist keiner mehr da, der mir wertvolle Tipps geben kann. Jetzt ist keiner mehr da, zu dem ich mit meinen Problemen gehen kann, von denen meine Eltern nicht erfahren dürfen.

Natürlich habe ich meine beste Freundin, aber das ist nicht dasselbe. Meine Schwestern sind ein Teil von mir. Freunde kommen und gehen, Familie bleibt. Sie haben mich nie verraten, wir haben eine Menge Geheimnisse gehabt. Jetzt ist alles anders. Natürlich kann ich mit ihnen telefonieren oder ihnen schreiben, aber am Telefon weiß ich nie was ich sagen soll. Das Gespräch wirkt irgendwie so verkrampft und deshalb telefonieren wir nicht sehr oft miteinander. Was übrig bleibt sind die Besuche. Aber das kann man auch nicht sehr oft machen,weil das 'ne Menge Geld kostet. Meine Schwestern fehlen mir wirklich sehr und ich kann eins sagen, folgendes ist wirklich wahr: Man merkt erst wie gern man einen Menschen hat, wenn er weg ist.


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