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REPORTAGE: DIE GESCHICHTE DER MOORSOLDATEN mohan: 2006-01-28

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"Die Moorsoldaten" ist das wohl bekannteste Widerstandslied aus dem Dritten Reich, das 1933 im Konzentrationslager Bürgermoor enstand. Es wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und ging um die ganze Welt. Das amerikanische Radio Goethe erzählt seine Geschichte.


"Die Moorsoldaten" ist wohl das weltweit bekannteste Widerstandslied aus dem Dritten Reich. Viele von euch dürften das Lied wohl kennen, sei es aus der Schule oder von Zeltlagern, wo es zum Standard der Lagerfeuerlieder gehört. Zu seiner Popularität trugen besonders die zahlreichen Übersetzungen während des Zweiten Weltkriegs bei, als es Häftlinge, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter übersetzten und verbreiteten. Das Lied beschreibt sehr eindrucksvoll die Sitaution in den frühen Konzentrationslagern im Emsland. Die Geschichte dieses Liedes erzählt nun eine Spezialsendung von Radio Goethe aus Kalifornien. Dieses Programm wird von einem Deutschen gestaltet, der den Amerikanern deutsche Kultur und Musik näher bringen will. Alle Sendungen sind auf Englisch, genauso wie nun die Spezialsendung zu den Moorsoldaten. Trotzdem ist der Text gut zu verstehen.

In der Sendung kommen u.a. der Komponist Rudi Goguel und Leute, die das Lied gesungen haben, zu Wort. Konzertmitschnitte verschiedener Aufnahmen lockern die Textbeiträge auf. Am Anfang der Sendung werden verschiedene Originalmitschnitte von Hitlerreden eingespielt und die Geschichte der frühen Konzentrationslager vorgestellt. Hört euch die Sendung einfach an. Es lohnt sich. Arndt Peltner hat eine sehr hörenswerte Sendung produziert, die sich jeder anhören sollte, der sich mit jüngerer deutscher Geschichte beschäftigt. Sie ist ein eindrucksvolles Dokument eines dunklen Kapitels unserer Geschichte und kommt glücklicherweise ohne den üblichen Pathos aus. Das ist auch nicht nötig. Denn der Text der Moorsoldaten spricht für sich.

Hier könnt ihr nun die Sendung anhören:
  • als Stream (für langsame Verbindungen)
  • als Download (ca. 36 MB)

  • Für diejenigen, die doch nicht so gut Englisch verstehen, kurz die Geschichte des Liedes "Die Moorsoldaten". Es entstand 1933 im Konzentrationslager Bürgermoor im Emsland, das zu den Moor-Konzentrationslagern gehörte, einer Kette von fünfzehn Konzentrationslagern, die 1933 im Dritten Reich gegründet wurden und die unter dem gemeinsamen Namen Emslandlager bekannt waren. Die Autoren des Textes waren Wolfgang Langhoff und Johann Esser, Rudi Goguel schrieb die Melodie, die später von Hanns Eisler und Ernst Busch bearbeitet wurde. Alle drei waren in der Kommunistischen Partei aktiv. Daher gehörte das Lied insbesondere in der DDR zum Pflichtprogramm antifaschistischer Widerstandslieder. In der BRD wurde es zunächst wegen dem kommunistsichen Hintergrund seiner Schöpfer weitgehend ignoriert. Erst die 68er machten das Lied auch im Westen populär. Heute gehört es zu den wohl populärsten Widerstandsliedern, vielleicht gerade weil es ohne die häufigen Parolen und Platitüden ausgekommt. Es ist ein zeitloses Dokument, das auch nach mehr als 70 Jahren nichts von seiner Ausstrahlung eingebüßt hat. Es ist immer noch eine Mahnung, dass sich so etwas nie wieder wiederholen darf.

    Ganz zum Schluss noch der deutsche Originaltext zum Nachlesen:

    Wohin auch das Auge blicket,
    Moor und Heide nur ringsum.
    Vogelsang uns nie erquicket,
    Eichen stehen kahl und krumm.
    Wir sind die Moorsoldaten
    und ziehen mit dem Spaten ins Moor.

    Hier in dieser öden Heide
    ist das Lager aufgebaut,
    wo wir fern von jeder Freude
    hinter Stacheldraht verstaut.
    wir sind die Moorsoldaten
    und ziehen mit dem Spaten ins Moor.

    Morgens ziehen die Kolonnen
    in das Moor zur Arbeit hin,
    graben bei dem Brand der Sonnen,
    doch zur Heimat steht ihr Sinn.
    Wir sind die Moorsoldaten
    und ziehen mit dem Spaten ins Moor.

    Heimwärts, heimwärts! Jeder sehnet
    sich nach Eltern, Weib und Kind.
    Manche Brust ein Seufzer dehnet,
    weil wir hier gefangen sind.
    Wir sind die Moorsoldaten
    und ziehen mit dem Spaten ins Moor.

    Auf und nieder gehn die Posten,
    keiner, keiner kann hindurch.
    Flucht wird nur das Leben kosten.
    Vierfach ist umzäunt die Burg.
    Wir sind die Moorsoldaten
    und ziehen mit dem Spaten ins Moor.

    Doch für uns gibt es kein Klagen.
    Ewig kann's nicht Winter sein.
    Einmal werden froh wir sagen:
    Heimat, du bist wieder mein!
    Dann ziehn die Moorsoldaten
    nicht mehr mit dem Spaten ins Moor.


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